Ratgeber

Katze abkühlen: 8 Wege, die wirklich funktionieren

Beim Hund kannst du eingreifen. Bei einer Katze funktioniert das schlecht: Sie kühlt sich selbst, über die Wahl ihres Liegeplatzes. Deine Aufgabe ist es, ihr die richtigen Plätze anzubieten, nicht sie zu behandeln.
Porträt von Lena Brandt

Lena Brandt · Redakteurin für Tierwohl und Haustierbedarf

Lena lebt mit einem Golden Retriever und zwei Katzen im Rhein-Main-Gebiet, einer der heißesten Regionen Deutschlands. Seit mehreren Sommern testet sie dort, was gegen Hitze bei Tieren wirklich hilft und was nur so aussieht.

1. Frühmorgens lüften, dann abdunkeln

Die wirksamste Einzelmaßnahme kostet nichts und betrifft gar nicht die Katze. Zwischen fünf und acht Uhr durchlüften, danach Fenster zu und Rollläden runter, bevor die Sonne auf die Scheibe fällt und nicht danach. Eine Wohnung, die morgens nicht aufgeheizt wurde, bleibt den ganzen Tag mehrere Grad kühler.

2. Mehrere Wasserstellen, abseits vom Futter

Katzen haben von Natur aus einen schwachen Durstreflex, weil ihre Vorfahren Flüssigkeit über Beutetiere aufnahmen. Ein einzelner Napf neben dem Futter wird oft ignoriert. Zwei oder drei Näpfe an verschiedenen Stellen der Wohnung werden erfahrungsgemäß deutlich besser angenommen, und ein Trinkbrunnen noch besser, weil bewegtes Wasser für Katzen attraktiver ist.

Wer Trockenfutter füttert, sollte im Sommer besonders aufmerksam sein: Ein Teil der Flüssigkeit, die eine Katze braucht, kommt normalerweise aus dem Nassfutter.

3. Kühle Liegeflächen anbieten, dort wo sie ohnehin liegt

Deine Katze sucht im Sommer von selbst die Fliesen im Bad, das Waschbecken oder die Fensterbank auf der Schattenseite. Das ist keine Marotte, sondern ihr wichtigster Weg, Wärme loszuwerden: über die Körperunterseite, wo das Fell dünn ist.

Eine Kühlmatte ist genau so eine Fläche, nur an einem Ort, den du bestimmst, und ohne dass die Katze auf den Badezimmerboden ausweichen muss. Wichtig ist der Ort: Leg sie auf den bestehenden Lieblingsplatz, nicht an einen neuen. Eine Matte, die an einem fremden Ort liegt, wird häufig ignoriert, und das liegt nicht an der Matte.

Katze liegt auf einer rosa Kühlmatte im Sonnenlicht am Fenster

4. Feuchtes Tuch statt Dusche

Mit einem angefeuchteten Tuch sanft über Fell, Ohren und Pfoten streichen. Die Ohren sind stark durchblutet und gehören zu den wenigen Stellen, an denen eine Katze überhaupt nennenswert Wärme abgibt.

Was du nicht tun solltest: sie mit Wasser übergießen oder in die Badewanne setzen. Die meisten Katzen empfinden das als massiven Stress, und Stress erzeugt zusätzliche Körperwärme. Du machst es damit schlimmer, nicht besser.

5. Bürsten, nicht scheren

Loses Unterfell wirkt wie eine Isolierschicht. Bei einer Maine Coon, einer Perserkatze oder einer Norwegischen Waldkatze macht regelmäßiges Ausbürsten im Sommer einen spürbaren Unterschied.

Scheren dagegen ist bei Katzen fast nie sinnvoll. Das Fell schützt auch gegen Wärme von außen und gegen Sonnenbrand auf heller Haut. Wenn das Fell verfilzt ist, gehört das in erfahrene Hände, nicht zur Selbsthilfe mit der Schere.

6. Den Ventilator auf den Raum richten, nicht auf die Katze

Ein Luftstrom kühlt vor allem, indem er Schweiß verdunsten lässt, und Katzen schwitzen nur an den Pfotenballen. Ein Ventilator, der direkt auf das Tier bläst, bringt daher wenig und wird von vielen Katzen gemieden.

Wirksamer ist ein Gerät, das die Luft im Raum umwälzt oder abends warme Luft nach draußen schiebt. Das senkt die Umgebungstemperatur, und davon profitiert die Katze indirekt, aber deutlich mehr.

7. Spiel und Fütterung in die kühlen Stunden legen

Eine Katze, die mittags bei 32 Grad zum Spielen animiert wird, produziert Wärme, die sie schlecht wieder loswird. Verleg die aktiven Phasen auf den frühen Morgen und den späten Abend, so wie sie es von sich aus tut.

Dasselbe gilt fürs Futter: Nassfutter, das mittags stundenlang steht, verdirbt schnell. Kleinere Portionen, dafür häufiger, sind im Sommer sinnvoller.

8. Freigängern einen schattigen Rückweg lassen

Katzen mit Freigang suchen sich draußen selbst kühle Plätze, verschätzen sich aber manchmal in der Distanz. Eine offene Katzenklappe und eine Wasserstelle im Schatten vor dem Haus lösen das meiste.

Ein Punkt, der jedes Jahr Tiere das Leben kostet: Gartenhäuser, Garagen und Autos. Eine Katze, die morgens hineinschlüpft und eingeschlossen wird, sitzt in einem Raum, der sich auf über 50 Grad aufheizt. Vor dem Schließen nachsehen, jedes Mal.

Wann es kein Ratgeber-Thema mehr ist: Sichtbares Hecheln mit offenem Maul, starkes Speicheln, Taumeln, tiefrotes Zahnfleisch oder Teilnahmslosigkeit sind Anzeichen eines Hitzschlags. Das ist ein Notfall und gehört sofort in eine Tierarztpraxis. Die Anzeichen im Detail stehen im Artikel Katze zu heiß.

Häufige Fragen

Wie kühle ich meine Katze am besten ab?

Indem du ihr die Möglichkeit gibst, es selbst zu tun. Kühle Liegeflächen anbieten, Wohnung frühmorgens lüften und tagsüber abdunkeln, mehrere Wasserstellen aufstellen. Direkte Maßnahmen am Tier, etwa Wasser übergießen, bringen wenig und erzeugen Stress, und Stress erzeugt Wärme.

Darf ich meine Katze nass machen?

Nicht übergießen. Was funktioniert und von den meisten Katzen toleriert wird: mit einem angefeuchteten Tuch sanft über Fell, Ohren und Pfoten streichen. Die Ohren sind bei Katzen gut durchblutet, dort wirkt es am ehesten.

Soll ich Eiswürfel ins Trinkwasser geben?

Besser nicht. Sehr kaltes Wasser wird von vielen Katzen schlicht nicht getrunken, und das Ziel war ja, dass sie mehr trinkt. Zimmerwarmes Wasser an mehreren Stellen bringt deutlich mehr.

Hilft ein Ventilator bei Katzen?

Nur indirekt. Ein Ventilator kühlt vor allem durch Verdunstung von Schweiß, und den hat eine Katze nicht. Ein Gerät, das den ganzen Raum umwälzt und wärmere Luft nach draußen schiebt, hilft mehr als eines, das auf das Tier zielt.

Soll ich meine Langhaarkatze im Sommer scheren?

In aller Regel nein. Das Fell isoliert in beide Richtungen und schützt die Haut vor Sonnenbrand. Was wirklich hilft, ist regelmäßiges Ausbürsten der losen Unterwolle, besonders bei Maine Coon, Perser und Norwegischer Waldkatze.

Dieser Text ersetzt keine tierärztliche Beratung.

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